Organizing II: Zukunft gestalten 2019

Organizing II: Zukunft gestalten 2019
Mittwoch, 17. Juli 2019, 18 Uhr
Der Eintritt ist für alle Veranstaltungen frei. Eine Anmeldung ist nicht nötig.
Ort | Lounge (Eingang via Ausstellungshalle)

Kann die Debatte über 1989/90 als eine Gegenwarts- oder sogar Zukunftsdebatte geführt werden? Welche Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Geschichte können fruchtbar gemacht werden, ohne die Vergangenheit für die Gegenwart zu instrumentalisieren?

Heute, in einer von vielen so empfundenen Phase gesellschaftlichen Übergangs, in einer Zeit des »nicht mehr« und »noch nicht« scheint es an der Zeit, wieder die »großen« Fragen zu stellen: Welche Gesellschaft wollen wir gestalten und was können wir tun?

Um die Jahre 1989/90 wurde die DDR zu einer Art Labor für die Entwicklung von Zukunftsentwürfen in Theorie und in Praxis: Vor der Wiedervereinigung, als noch mehrere politische Wege offen standen, wurden an Runden Tischen, in Gruppen und Bürgerinitiativen, auf Demonstrationen und in unabhängigen Gewerkschaften zahlreiche Ideen entwickelt und erprobt. Es war eine Sternstunde von Zivilgesellschaft und politischer Teilhabe – Konzepte, die heute noch und wieder große aktuelle Relevanz besitzen.

Heute sind es zum Beispiel die Krise der repräsentativen Demokratie, die Bedrohung durch Klimawandel, Ressourcenknappheit und deren gesellschaftliche Folgen, die Zweifel daran, dass unbegrenztes Wirtschaftswachstum möglich und sinnvoll ist: Als Antwort entstehen auch heute mehr und mehr Ideen, Bürgerinitiativen und alternative Lebensräume, die mit Zukunftsentwürfen und konkreten gesellschaftlichen Utopien experimentieren.

Drei Aktivist*innen unterschiedlicher Generationen sind eingeladen, gemeinsam mit dem Publikum gleichsam einen Blick zurück und in die Zukunft zu werfen.

Open Talk mit

Kathrin Mahler Walther Soziologin, Aktivistin 89/90+ & Geschäftsführerin der EAF Berlin
Jahrgang 1970, wuchs in Leipzig auf und engagierte sich seit 1987 als eine der jüngsten Aktivist*innen in verschiedenen Basisgruppen, den Vorläufern der ostdeutschen Bürgerbewegung. Im Herbst 1989 baute sie die »Initiative Frieden und Menschenrechte« in Sachsen mit auf und vertrat diese am Runden Tisch Leipzig. Später war sie als Vorstandsmitglied der »Initiative Frieden und Menschenrechte« an der Fusion zum Bündnis 90 beteiligt. Bis 1992 war sie im ersten Sächsischen Landtag tätig. Anschließend ging sie nach Berlin und legte ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg ab, danach studierte sie Sozialwissenschaften in Berlin, Jena und New York.

Kathrin Mahler Walther ist heute Geschäftsführerin der EAF (Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft), dem Berliner Think Tank zur Förderung von Vielfalt in Führung. Sie berät Organisationen in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik auf ihrem Weg in einer sich stetig verändernden Arbeitswelt. Sie leitete zahlreiche Programme zur Personal- und Organisationsentwicklung sowie Projekte zu Chancengleichheit. Damals wie heute setzt sich Kathrin Mahler Walther für den Dialog von Politik und Zivilgesellschaft ein.

Anna Stiede
| politische Bildnerin & aktiv in sozialen Bewegungen
Anna Stiede, 1987 in Jena geboren, ist Politologin und arbeitet selbstständig als politische Bildnerin, Kommunikationstrainerin und Übersetzerin. Dass sie in einem Land geboren wurde, das heute nicht mehr existiert – der DDR – begleitet sie beständig. Sie ist in verschiedenen sozialen Bewegungen aktiv und arbeitet schwerpunktmäßig zur Geschichte sozialer Bewegungen, feministischer Ökonomie und (digitaler) Kommunikation. Sie ist Teil des Vorbereitungskreises »30 Jahre Herbst ’89 – Nennen wir es Revolution!?« und des daraus in Entstehung begriffenen #Netzwerk Ost. Sie war Kuratorin im Haus der Demokratie und Menschenrechte Berlin. Sie erlebt das Sichtbarmachen noch nicht erzählter solidarischer Geschichten aus dem Osten in generationenübergreifenden Räumen als belebende politische Methode.

Aktuell arbeitet sie mit dem Künstler*innenkollektiv Panzerkreuzer Rotkäppchen am Projekt »4-11-89 – Theater der Revolution« mit, um die einzige freie und offiziell genehmigte Demonstration in der DDR am 4. November 2019 auf dem Berliner Alexanderplatz zu re-enacten, um dieses Ereignis zu erinnern und an die Gegenwart zu koppeln. Anna Stiede ist außerdem Mitbegründerin des Politologinnen-Instituts: http://politologinnen.de/politologinnen/anna-stiede/

Michael Brie
 | Philosoph & Reformer 89/90+
geboren 1954 in Schwerin, Dr. phil. habil., Senior Fellow am Institut für Gesellschaftsanalyse der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Um das Jahr 1989 herum war Michael Brie Mitglied der SED-Reformgruppe »Moderner Sozialismus« an der Humboldt-Universität und arbeitete dort an den konzeptionellen Grundlagen einer gesellschaftlichen Erneuerung, veröffentlicht u.a. 1990 im »Umbaupapier«. Später war er Mitglied der Programmkommissionen von PDS und Partei DIE LINKE, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats von Attac Deutschland sowie ein Geschäftsführer der Rosa-Luxemburg-Stiftung und Direktor des Institut für Gesellschaftsanalyse. Seine Arbeitsschwerpunkte sind u.a. die Theorie und Geschichte des demokratischen Sozialismus und die Transformation staatssozialistischer Gesellschaften.

Er ist Herausgeber der Reihe »Beiträge zur kritischen Transformationsforschung« beim VSA-Verlag, zu seinen jüngeren Veröffentlichungen gehören u.a.: (Hg.): »Futuring. Perspektiven der Transformation im Kapitalismus über ihn hinaus« (2014, Münster: Westfälisches Dampfboot) und »Luxemburg neu entdecken: Freiheit für den Feind! Demokratie und Sozialismus« (2019, Hamburg: VSA).

Moderation | Sophie Schulz

Im Sinne eines »Forums« sind alle interessierten Besucher*innen herzlich eingeladen teilzunehmen, zuzuhören, Fragen zu stellen und selbst beizutragen.

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Die Veranstaltung ist Teil der Reihe forum 89/90+, die sich mit den innovativen und emanzipatorischen Potenzialen der Umbruchszeit in Ostdeutschland 89/90+ beschäftigt. | Zum Gesamtprogramm >> | Zur Abschlussveranstaltung >>

Informationen

Wann am 17. Juli 2019 von 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr
Wo Reinbeckhallen – Lounge
Adresse & Anfahrt