Geteilte Geschichte

Geteilte Geschichte
Westdeutsche Perspektiven auf den Mauerfall und Umbruch in Ostdeutschland 89/90+

Mittwoch, 19. Juni 2019, 18 Uhr
und
Freitag, 21. Juni 2019, 18 Uhr

Der Eintritt ist für beide Veranstaltungen frei. Eine Anmeldung ist nicht nötig.
Ort 
| Lounge (Eingang via Ausstellungshalle)

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+ Mittwoch, 19. Juni 2019, 18 Uhr
Geteilte Geschichte
Westdeutsche Perspektiven auf den Mauerfall und Umbruch in Ostdeutschland 89/90+

Die Maueröffnung vor 30 Jahren stellte ein ganzes Land auf den Kopf – und bedeutete auch das Ende der alten Bundesrepublik und insbesondere des alten West-Berlin, der »Insel im roten Meer«. Jüngere Ansätze der Geschichtsschreibung beschäftigen sich verstärkt mit dem Thema »Ko-Transformation« oder »geteilter Geschichte« aus deutsch-deutscher Perspektive.

Die Mauer war nie ganz undurchlässig
: Einerseits befruchteten grenzübergreifende Kontakte beide Gesellschaften wechselseitig – sei es via Information durch Westmedien, durch Vernetzung »bewegter Bürger*innen« auf beiden Seiten der Mauer oder auch im weiteren Sinne durch die stete ideologische Kontrastfolie durch den jeweils verfeindeten Teilstaat. Andererseits waren die Grenzen zwischen den Kategorien »Ost« und »West« nie ganz eindeutig, sei es in Bezug auf Emigration aus der DDR, insbesondere die seit den 1980er Jahren immer zahlreicheren Ausgereisten und Ausgebürgerten in West-Berlin. Und welche Rolle spielt die Unterscheidung in »Ost« und »West« heute, auch für »nachgeborene« Generationen?

Wie war es, das mythische West-Berlin, gleichzeitig »Schaufenster des Westens« und subkulturelle Exklave? 
Was bleibt heute vom Phänomen West-Berlin, oft als eine Art »Atlantis« stilisiert? Wie sahen die wechselseitigen Beziehungen zwischen DDR und BRD aus, wie wichtig waren sie insbesondere für die Bürgerbewegung im Osten? Wie erlebten Ost- und Westdeutsche die Ereignisse 89/90+ vom Westen aus? Wie wurden dort die verschiedenen Wege und Alternativen bewertet, die nach dem Mauerfall für Ostdeutschland verhandelt wurden?

Open Talk mit

Katja Lange-Müller Schriftstellerin aus Ostberlin, ab 1984 Westberlin
1951 in Ostberlin geboren ist sie in einer kommunistischen Familie aufgewachsen. Mit 16 wurde Katja Lange-Müller wegen »unsozialistischen« Verhaltens der Schule verwiesen, lebte anschließend in einem besetzten Haus und machte eine Lehre als Schriftsetzerin. Sie arbeitete bei einer Zeitung, beim Fernsehen und in der Psychiatrie, bevor sie 1979 für das Studium am Literaturinstitut der DDR »Johannes R. Becher« zugelassen wurde. 1984 übersiedelte Katja Lange-Müller nach West-Berlin, wo sie sich als Schriftstellerin etablierte und als brillante Erzählerin mit scharfem Sinn für Groteskes bekannt wurde. Sie veröffentlichte zahlreiche preisgekrönte Romane und Erzählungen, in denen sich ihre Erfahrungen auf beiden Seiten der Mauer spiegeln, darunter u.a. »Böse Schafe« und «Kasper Mauser – Die Feigheit vorm Freund«.

Ernst Volland 
Künstler, Autor & Westberliner Zeitzeuge 89/90+
geboren 1946 in Bürgstadt/Miltenberg, aufgewachsen in Wilhelmshaven, lebt seit 1968 in Berlin, und studierte Bildende Kunst in Hamburg und West-Berlin. Seit 1975 fertigt Ernst Volland als freiberuflicher Künstler Karikaturen, Plakate, Fotomontagen und Zeichnungen und ist dabei insbesondere als kritischer und politischer Satiriker bekannt geworden. 1987 gründete er mit Heinz Krimmer die Fotoagentur »Voller Ernst – Komische und skurrile Fotos«. Hinzu kommen zahlreiche Publikationen, so 1989 »Fakes – Dies Buch ist pure Fälschung«. Seit 1990 arbeitet er an der Werkserie »Eingebrannte Bilder«. Ernst Volland hat den Umbruch in Ostdeutschland 1989/90 von West-Berlin aus beobachtet und begleitet und schließlich eine Ostberlinerin geheiratet.

Eckhard Siepmann 
ehemaliger Leiter des Werkbundarchivs & Westberliner Zeitzeuge 89/90+
Geboren 1942 in Schwelm/Westfalen, Studium der Philosophie, Kunstwissenschaft und Germanistik in Tübingen, Rom und Berlin, wo er seit 1966 lebt. 1976 – 1995 Leiter des Werkbundarchivs, des heutigen Museums der Dinge. Im Martin-Gropius-Bau entwickelte er zahlreiche Ausstellungen und eine der größten Sammlungen zur Dingwelt des 20. Jahrhunderts.

1965 – 1969 war Eckhard Siepmann Mitglied des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) sowie Teilnehmer an den Diskussionen und Straßenkämpfen. Von 1975 – 1985 war er Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Westberlins (SEW), einem Ableger der SED. Bei der Arbeit an einem Buch und einer in acht europäischen Ländern gezeigten Ausstellung über John Heartfield und lernte er zahlreiche DDR-Größen kennen, u.a. Friedrich Karl Kaul, Gertrud Heartfield, Claire Jung, Alexander Abusch und Wieland Herzfelde. Eckhard Siepmann sammelte in der »Wendezeit« DDR-Müll für das Museum der Dinge, wobei versehentlich eine Bombe nach Kreuzberg transportiert wurde. Er kuratierte ebenfalls eine Ausstellung zur Demo am 4. November 1989, die er als Schluss- und Höhepunkt der DDR-Geschichte betrachtet, als Vorschein eines libertären Kommunismus.

Moderation | Sophie Schulz

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+ Freitag, 21. Juni 2019, 18 Uhr
Westdeutsche Perspektiven auf den Mauerfall und Umbruch in Ostdeutschland 89/90+

Biografischer Abendsalon mit

Peter Wensierski Schriftsteller, Journalist & Dokumentarfilmer in Ost und West
Jahrgang 1954, berichtete er ab 1978 als West-Journalist aus der DDR. Er dokumentierte die aufkommende Oppositionsbewegung in der DDR in zahlreichen Büchern, Radiosendungen und Dokumentarfilmen, die über das Westfernsehen in die DDR zurückwirkten und zur Bildung einer Gegenöffentlichkeit beitrugen. Auch nach dem 1985 von der DDR-Regierung verhängten Einreiseverbot arbeitete er in Kooperation mit ostdeutschen Oppositionellen an Beiträgen aus heimlich gedrehtem Videomaterial, die z.B. auf die massive Umweltverschmutzung aufmerksam machten.

Von 1986 an war Peter Wensierski Redakteur des ARD-Magazins KONTRASTE, 1993 wechselte er ins Deutschland-Ressort des SPIEGEL. Weitere Buchpublikationen folgten, u.a. die Bestseller »Schläge im Namen des Herrn« über ehemalige Heimkinder und »Die verbotene Reise«. Zuletzt erschienen »Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution« über eine Gruppe junger Leipziger 1989, »Berlin – Stadt der Revolte« und »Fenster zur Freiheit – Die radix-blätter. Untergrundverlag und -druckerei der DDR-Opposition«.

Moderation
 | Sophie Schulz

Das Format Erzählsalon rückt die individuelle Lebensgeschichte und persönliche Perspektiven in den Fokus. Auch das Publikum ist eingeladen, eigene Geschichten und Erfahrungen zu teilen.

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Die Veranstaltung ist Teil der Reihe forum 89/90+, die sich mit den innovativen und emanzipatorischen Potenzialen der Umbruchszeit in Ostdeutschland 89/90+ beschäftigt. | Zum Gesamtprogramm >>

Informationen

Wann von 19. Juni bis 21. Juni 2019
Wo Ausstellungshalle – Lounge
Adresse & Anfahrt