Ralf Kopp | Gier frisst: Unabhängigkeit

Samstag, 7. Juli 2018

Ralf Kopp | Gier frisst: Unabhängigkeit
Performance | 11 Uhr

Wir leben in einer Kultur, in der Geld versteckt wird. Durch Ralf Kopps Installation "Gier frisst" wird das Thema "Geld" ans Tageslicht geholt – und zwar ganz wörtlich.

Wie reagiert der Mensch, wenn er das Geld im offenen Raum erblickt? Ungeschützt, einfach zum Aufheben? Das Geld liegt dabei in einen dem Aufheben widersprechenden Kontext. Begriffe wie etwa "UNABHÄNGIGKEIT" oder "FREIHEIT" sind mit ein Meter hohen Buchstaben mit 1-Cent-Stücken auf den Boden geschrieben, als soziale Plastik unkommentiert und ungeschützt im öffentlichen Raum. Schützt die Bedeutung des Wortes vor der Zerstörung der Installation? Oder zerstört die „Gier“ die "UNABHÄNGIGKEIT" oder die "FREIHEIT"? Zwar befindet sich das Objekt unter ständiger Beobachtung durch Videotechnik. Doch das dient lediglich der zum Kunstprojekt gehörigen Dokumentation.

Es ist kaum nachzuzählen, wie oft unsere Gedanken an jedem einzelnen Tag um Geld kreisen, ob beim Zählen des Wechselgelds, vor dem Geldautomat, beim Einkauf am Obststand. Geld hat Macht über die Gedanken und das Sein. Cicero etwa brachte das so auf den Punkt: "Nichts ist so sicher geschützt, dass es nicht mit Geld erobert werden kann."

Ist der Charakter also per se mit Geld korrumpierbar? Oder ist Geld „geprägte Freiheit", wie Fjodor Dostojewski es bezeichnete? Wie sind wir in den Fluss des Geldes eingebunden? Wo und wie beeinflussen wir ihn? Wann nehmen wir Geld bewusst wahr, nicht als Mittel zum Zweck, sondern als Entität? Ab welchem Punkt verkauft man sich und seine Unabhängigkeit – gerade auch in der Kunst? Diesen Fragen spürt das Experiment "Gier frisst:" nach.

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Zum Künstler

Ralf Kopp wurde 1973 geboren und lebt und arbeitet heute in Mainz. Nach einer Ausbildung zum Physiklaboranten ging er als Quereinsteiger in die Werbebranche – anfangs als Grafiker, später als Art Director. Heute ist er in der Branche als Freelancer tätig. Seit 1999 engagiert sich Kopp als Video- und Fotokünstler. Kopp gebraucht dabei seine Kunst als eine Sprache, um Fragen in den Raum zu stellen, Dinge zu hinterfragen und Fragen auszulösen. Er hinterfragt aktuell mit Arbeiten wie "Gleichgewichtsanalyse" oder "Achtung: Geld" – Kunstwerke mit echten Geldscheinen – auch gesellschaftliche und monetäre Zusammenhänge. Kopp beteiligte sich an nationalen und internationalen Ausstellungen und Kunstmessen und wurde auch mit Preisen ausgezeichnet.

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Kuratorinnenführung
mit Lena Fließbach | 12 Uhr

Welche Geschichten stecken hinter den einzelnen Kunstwerken? Auf welche politischen Ereignisse oder kulturelle und soziale Fragestellungen beziehen sie sich? In einem Ausstellungsrundgang mit der Kuratorin Lena Fließbach werden ausgewählte künstlerische Arbeiten der Sammlung Haupt sowie einzelne Leihgaben näher erläutert, gemeinsam besprochen und Verbindungslinien zwischen den Arbeiten aufgezeigt.

Informationen

Wann am 07. Juli 2018 von 11:00 Uhr bis 13:00 Uhr
Wo Reinbeckhallen - Ausstellungshalle
Adresse & Anfahrt